St. Laurentius in Stuttgart-Freiberg

Standort der Kirchengemeinde
Max-Brod-Weg 4, 70437 Stuttgart

 

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Die Kirche St. Laurentius in Stuttgart-Freiberg
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




© Foto-Kunst Andreas Keller

 

Die Kirche St. Laurentius wurde 1972/73 von Architekt Jörg Herkommer (1923 - 2017) erbaut -
die Ausstattung, vor allem durch den Künstler Johannes Raphael Potzler, erfolgte erst 20 Jahre später.
Zur Einweihng erschien eine kleine Broschüre , in welcher der folgende Artikel des Architekten zu finden ist.

 

Kirche und Gemeindezentrum aus der Sicht des Architekten

Kirchen können keine städtebaulichen Dominanten mehr sein. Schon die Tatsache, daß unsere Kirchen
heute beinahe immer als ein Teil - wenn auch natürlich der bedeutsamste Teil - von Gemeindezentren

gebaut werden, deutet auf das andere Verständnis der Kirche und ihrer Funktion gegenüber früheren
Zeiten hin. Infolge der vielen Auflösungserscheinungen, denen die bisherigen Formen menschlichen
Zusammenlebens ausgesetzt sind, sowie der Fülle von Aufgaben und Problemen der modernen
Gesellschaft, wird heute besonderer Wert auf eine möglichst weitgehende Integration der Kirchen
und ihrer Wirkungsstätten in das allgemeine Leben der weltlichen Gemeinden gelegt.
Die Voraussetzungen zu einer dementsprechend engen Einbindung in den zentralen Lebensbereich
des jungen Stadtteils Stuttgart-Freiberg waren dankenswerter Weise durch die Planung von seiten des
städtischen Planungsamtes gegeben. Außer der grundsätzlichen Zuordnung des Grundstückes zum
Ladenzentrum, der Fußgängerzone und der Fußgängerbrücke sowie den einzelnen Verbindungswegen
und -Straßen, waren zu Beginn der Planung auch die Einzelmerkmale der architektonischen Gestaltung
des Ladenzentrums und des staffelförmig ansteigenden "Apollo"-Hochhauses, als den beiden direkt
angrenzenden Gebäudemassen, bekannt. Es war daher wesentliche, mitbestimmende Aufgabe des für
die Kirche und das Gemeindezentrum im Jahre 1968 ausgelobten Wettbewerbes, die einzelnen Baukörper
räumlich und massenmäßig auf die anschließende Bebauung abzustimmen.

 

Die Planung der ganzen Gebäudegruppe und ihrer Einzelteile erfolgte daher weitgehend unter
Berücksichtigung der vorgenannten Gegebenheiten. Die stark plastisch gestaltete Gebäudemasse der
Kirche ist kontrapunktisch zum Hochhaus, dicht an die äußerste Grundstücksgrenze an der Adalbert-
Stifter-Straße gerückt. Gemeindesaal und Kindergarten bilden ein flaches, eingeschossiges Bindeglied
zum Hochhaus. Der Kirchhof ist Teil der allgemeinen Fußgängerzone. An ihm liegen die beiden Eingänge
zur Kirche und die Eingänge zum Kindergarten und Gemeindesaal. Auf der gegenüberliegenden Seite
bildet das Ladenzentrum den Raumabschluß dieser gärtnerisch gut gegliederten Platzanlage. Ein
zwischen Kirche und Gemeindesaal durchführender, überdeckter Treppenaufgang verbindet diese
Platzanlage und den damit zusammenhängenden Fußgängerbereich mit dem Wohnbereich südöstlich
des Max-Brod-Weges.

 

Der über der Grundrißfigur eines modulierten Achteckes entwickelte Kirchenraum läßt die Gemeinde
beinahe halbkreisförmig um den Tisch des Opfermahles geschart sein. Der wuchtige Altar steht zentral
im Blickpunkt der Gemeinde. Der Ort der Wort-Verkündigung ist den liturgischen Erkenntnissen gemäß
eng dem Ort des Mahles zugeordnet. Vom Haupteingang direkt zugängig, dennoch aber mit dem
Kirchen- und Altarraum räumlich zusammenhängend, ist die Werktags- und Taufkapelle ausgewiesen.
Für die Sänger und Orgel wurde im rückwärtigen Teil ein eigener, um wenige Stufen nur leicht erhöhter
Bereich gebildet. Die Sänger bleiben damit Teil der das Opfermahl feiernden Gemeinde.
Der Kirchenraum staffelt sich höhenmäßig von der hinteren, niederen Verkehrszone in mehreren,
verschieden hohen Raumzonen bis zum höchsten Raumteil über dem Altarbereich. Unter Ausnutzung
der "Stufenwände" unterstreicht die Lichtführung diese Raumentwicklung zum Altarbereich, in dem von
der gering belichteten niederen Verkehrszone bis zum stark belichteten Altarraum eine Steigerung des
Lichteinfalles erfolgt. Lichtführung und räumliche Höher-Staffelung bewirken die eindeutige Zentrierung
auf den Altarbereich. Die sehr behutsam auf den Raum abgestimmten, zurückhaltend schönen Fenster
wurden von Professor Rudolf Hagele entworfen und von den Glaswerkstätten Wilhelm Derix ausgeführt.

 

Der Gemeindesaal wird über eine geräumige Vorhalle betreten. Eine große Faltwand ermöglicht seine
Aufteilung in zwei verschieden große Räume für kleinere Veranstaltungen, wobei der größere Raumteil
mit der Bühne und der Teeküche verbunden bleibt.

 

Für die Jugend sind im Sockelgeschoß unter dem Gemeindesaal vier Gruppenräume, ein Werkraum,
ein Mehrzweckraum und eine gesellige Kaminecke vorhanden. Der Zugang zu diesen Räumen erfolgt
über den Max-Brod-Weg. Über eine innen gelegene Treppe besteht jedoch eine Verbindung zum Foyer
des Gemeindesaales, wodurch verschiedene gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten für Saal, Foyer und
Jugendräume geboten sind. Im Kindergarten sind drei Gruppenräume mit zwei Spielräumen, die
zugehörigen Garderoben, eine Teeküche, ein Isolierraum, ein Raum für die Leiterin und die erforderlichen
Nebenräume so angeordnet, daß durch kleine Raumgruppen und eine reich gegliederte, insgesamt
großzügige Hallenzone sowohl dem kindlichen Maßstab Rechnung getragen als auch eine vielfältige
Nutzung der einzelnen Räume ermöglicht wurde. Trotz der relativ kleinen Grundstücksgröße gelang es,
einen Spielgarten anzulegen, der von Gartenarchitekt Jürgen Seewald nicht nur sehr praktisch, sondern
auch besonders reizvoll gestaltet ist.

Jörg Herkommer


Da ein Kirchturm fehlt - nur ein Kreuz auf dem Dachfirst gen Westen - bemerkt man die Kirche kaum.
Durch umliegende hohe Bebauung verschwindet sie in einem Häuser-Beton-Meer und gibt sich nur vom
kleinen Kirchplatz aus zu erkennen.

 

Mehr Bilder und Informationen über die Ausstattung unserer Kirche St. Laurentius finden Sie auf der
Webseite "Kirchen und Kapellen in Baden-Württemberg und einigen anderen Regionen"
von Herrn Andreas Keller (Ex-Intendant der Stuttgarter Bachakademie).